Heinrich Luitpold Himmler (1900-1945) war Reichsführer ᛋᛋ.
Am 1. Juli 1935 gründete er zusammen mit Herman Wirth“Deutsches Ahnenerbe” Studiengesellschaft für Geistesurgeschichte e. V.. Eines der Forschungsprojekte war die Oera Linda. In dem Arbeitsplan Forschungsaufträge (vermutlich aus dem Jahr 1936) werden als Mitarbeiter des Projekts Ura-Linda-Chronik aufgeführt (S. 24): Herman Wirth und zwei seiner Assistenten: Joseph Plassmann (1895-1964) und Werner Müller (1907-1990); Walther Wüst (1901-1993), Hugo Dingler (1881-1954) und Albert Herrmann. Wolfram Sievers, einem dritten Assistenten Wirths,[1] wurde die Geschäftsführung von Ahnenerbe übertragen und war in dieser Funktion eng in das Oera-Linda-Dossier eingebunden.
Anwendung des sechsspeichigen Rads aus der Oera Linda
Derjeneige, der den Ausleseprozeß in der Natur beobachte und versteht, ist im tiefsten Grunde gläubig. Er ist gläubig, weil er eine unendlich weise Hoheit über uns weiß. Die Germanen hatten einen sehr schönen Ausdruck dafür: Waralda, das ist das Uralte.
Gedenkrede für Heydrich
9-6-1942 Gedenkrede für Reinhard Heydrich vor den Oberabschnittsführern und Hauptamtschefs im Haus der Flieger, Berlin [NS 19/4009 S.135]
Ich habe heute an dem Begräbnistag von Heydrich in meiner Rede mit voller Absicht meine tiefste innere Überzeugung eines Glaubens an Gott, eines Glaubens an das Schicksal, an den Uralten, wie ich ihn nannte – das ist das alte germanische Wort: Wralda – ausgesprochen.
1943 [Genaues Datum und Originalversion unbekannt] in Rede an hochrangige Marineoffiziere[5]
... above us is an infinite wisdom. The Teutons had a beautiful expression for it: Waralda, the ancient. We may dispute how it can be revered and how in earthly terms it can be broken down into cults and varieties.
26-7-1944 Rede auf dem Truppenübungsplatz Bitsch vor dem Offizierskorps einer Volks-Grenadier-Division vor ihrem Abmarsch zur Front [NS 19/4015, S.369-371]
Ich habe in den Reihen der ᛋᛋ aber niemals auch nur einen Atheisten geduldet. Jeder von uns ist im tiefsten gläubig an das Schicksal, an den Herrgott, an das, was unsere Vorfahren in ihrer Sprache Waralda, den Uralten nannten, das, was mächtiger ist als wir.
Ich persönlich glaube, daß auf die Dauer (...) slavische Völker eine Weiterschaffung der Kultur, ein weitervoranführende Kultur nicht zusammen bringen. Es wird immer wieder einzelne große Diktatoren und große Führer, Heerführer, geben, wie wir sie in die Geschichte kennen; ob sie nun Attila hießen — dessen richtige Namen wir überhaupt nicht wissen — oder ob sie Dschingis Khan hießen, oder ob sie Tamerlan hießen, oder ob es Magyarenkönige waren,[8] oder ob es einmal ein Herr Lenin oder ein Herr Stalin war; das sind Einzelerscheinungen, wo durch eine glückliche Paarung, ein glückliches Zusammentreffen — für uns Europäer unglückliches natürlich — Komponenten zusammenkamen, die zum Führen befähigten. Im Augenblick aber wo so eine Erscheinung wieder vorbei ist, im Augenblick wird der Slave wieder das was er von jeher war: ein sichselbst nicht beherschen könnendes, ewig intrigierendes Volk.
Auswahl von Dokumenten und Briefen
Die Beschreibungen stammen größtenteils von Simon 2005; Möglicher Standort im Bundesarchiv und Unterstreichung hinzugefügt.
19-8-1935 Albert Herrmann an Himmler: Anbei „Neue Stimmen zur Ura-Linda-Chr.”. Pfingsten in Holland gewesen. „überraschende Beobachtungen”, „welche die Quellenechtheit schlagend bestätigen”. [PA Herrmann Bl.29]
20-3-1936 Herrmann an Himmler: Herrmann freut sich, daß Himmler „in der Beurteilung der Ura-Linda-Chr. ganz auf meiner Seite steh(t)”. Wie im Vorwort (von „Unsere Ahnen und Altlantis”) „kritische Ausgabe”, „die Echtes und Unechtes voneinander scheidet”. Aufgabe „durchführbar”. Herrmann s Buch habe „Grundlinien” dazu gegeben + Material, das weiter ergänzt werden müßte. „Da hierzu besonders die Mitarbeit eines philologischen Fachmannes notwendig ist, habe ich als solchen den Germanisten Professor Maußer in München gewonnen, der mir von Professor Wüst daselbst empfohlen wurde. (Ich darf Sie wohl bitten, diese letzte Mitteilung als vertraulich behandeln zu wollen.) Lediglich aus taktischen Gründen möchte ich Herman Wirth oder einen seiner nächsten Freunde nicht hinzuziehen, um nicht seinen Gegnern eine neue Waffe in die Hand zu geben.” Herrmann hatte RuSHA um Finanzierung gebeten. Himmler hat Herrmann Gespräch angeboten. [PA Albert Herrmann]
1-4-1936 Sievers an Himmler: „… unseren längeren Bemühungen gelungen…” Erlaubnis zur Herstellung einer Reproduktion der Ura-Linda-Chronik zu erhalten. RM464,17 Vorauszahlung. [PA Sievers Bl.135]
unter Ausschluß der Öffentlichkeit20-6-1936 Sievers an Himmler: Maußers Unterlagen „unter Ausschluß der Öffentlichkeit”: Mitarbeiter: 1. Wirth: Symbolgeschichte. 2. Albert Hermann: Geographie. 3. Wüst: Sprachwissenschaft + Orientalistik. 4. Plassmann: (zus. mit Wirth + Herrmann + Wüst) Religionsgeschichte, Sage + Märchen. Maußer lebt von Vorlesungsgebühren + schriftstellerischer Tät. „einer der besten Kenner der nord. Philologie. sowie der germanischen Sprachwissenschaft”, wohl der einzige, „der noch altfriesisch kennt.” Hat längst Lehrstuhl verdient. Bitte 100RM befürworten. [563/189-191;241-243]
21-10-1936 Galke an Himmler: RSK [Reichsschrifttumskammer] verbot Verlag, Ura-Linda-Chr. in Katalog zu führen. Bitte, daß sich Galke deswegen in Verbindung setzt. [104/..]
23-11-1936 Himmler an Sievers: Dingler hat „in diskreter Form” paläographische Erkundungen eingezogen. Bestätigen Mausser. Zu den „eigenartigen Trennungsstrichen” mitten in der Zeile im Ura-Linda-Manuskript, die Ottema weglasse: Deutet darauf hin, dass nur Kopie einer „Vorlage, die selbst wieder von einem Humanisten des 15. oder 16. Jahrhunderts gefertigt ist.” Bitte Köhlers Buch, auf das Wüst auf Grund einer Anzeige im VB hinwies, für Mausser beschaffen. [563/201-202?]
30-11-1936 Himmler an REM (Reichsministerium für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung): „Wie mir mitgeteilt wurde, bewirbt sich Prof. Mausser, München, um die Einsetzung in das Ordinariat für Deutsche Philologie an der Universität Erlangen, das durch Versetzung frei geworden ist. Ich würde die Berufung Prof. Maussers, dessen Arbeiten ich ausserordentlich schätze, sehr begrüssen, da er hier einen für seine Forschungsarbeit hervorragenden Wirkungskreis hätte.” [37;701;817/..]
8-2-1937 Eckhardt an Himmler: Anbei Studie + Richthofen an Köhler. K = Mitarbeiter (Unterscharführer im SD-HA). Warnt „vor jedem Eintreten für das hoffnungslose Machwerk Ura-Linda-Chr.”. Diskutiert Wirths Leistung. [NS 19/2241]
25-2-1937 Himmler an K.A. Eckhardt [NS 19/2241] — siehe unten.
3-5-1937 Sievers an Himmler: SS-Hauptsturmführer Wüst teilt mit, dass ihm von der Deutsche Akademie die Präsidentschaft der wissenschaftlichen Abteilung angetragen sei. [691/..]
12-5-1937 Galke an RFSS (Himmler): Arbeiten an der Ura-Linda-Chronik „wesentlich umfangreicher” als ursprünglich angenommen. Befürwortet Antrag Wüst auf Verlängerung der Förderung (100RM) [?]
24-5-1937 Wüst an Himmler: Harmjanz auf Tagung der Abt. Judenfrage des Reichsinstituts f. Geschichte d. neueren Dtds. Besucht Maußer, seinen alten Lehrer. Harmjanz abfällig über Ahnenerbe + Wirth. H. will gegen Ahnenerbe vorgehen. Bis 33 SS-Anhänger. Behutsam erledigen, weil Harmjanz Maußer planmäßige Prof. verschaffen will. „Heute kümmere sich ja bereits die letzte Feuerwehr um Dinge, die eigtl. nur das Reichswissenschaftsministerium angingen.” [691;795-111]
11-6-1937 Mausser an Himmler: Dank für Genehmigung der Fortdauer der Forschungsbeihilfe für weitere 9 Monate. Himmler habe ihn „abermals in großzügiger Weise gefördert und mich von drückender Sorge befreit, freigemacht für wissenschaftliche Arbeit, für notwendige Konzentration im Dienste des Ahnenerbes, vor allem in der Frage der Klärung des Ura-Linda-Problems.” [37;701]
(23-10-1937 Wolff an Maußer: Anordnung RFSS: 1. Schreiben wiss. Charakter an Wüst, alles andere an Sievers. 2. Schriften grundsätzl. Art von Wüst zu genehmigen. Meinungsverschiedenheiten nicht in Öffentlichkeit. „Grundsätzlich muss sich dabei jeder Mitarbeiter darüber klar sein, dass ausschliesslich die Auffassung des Reichsführers SS, nach der der Präsident seine Entscheidung trifft, für alle Fragen genannter Art massgebend ist.” [37/..])
26-11-1937 Wüst an RFSS – Persönlicher Stab – Abteilung wirtschaftliche Hilfe: Betr.: Wirth, Herman „Ein Leuchter brennt”. Kritik. 6. „Damit sich nicht die hinreichend bekannten Vorfälle der Ura-Linda-Chronik-Ausgabe wiederholen, muss ich die Schrift ablehnen.” Stattdessen Huth, Otto „Der Julleuchter” (Von Wüst veranlasste Schrift) an Männer der Schutzstaffel verteilen. [598/..]
24-2-1938 Wüst an Himmler: „… dank Ihrer Befürwortung allen Widerständen zum Trotz gelungen …, Prof Dr. Mausser einen Lehrstuhl in Königsberg zu beschaffen.” [600;701]
17-4-1938 Mausser an Himmler: „Ihr hochherzig gewährter Urlaubszuschuss von RM 200.— hat mich – ein wunderschöner, mir unvergessbarer, stimmungsstarker Moment! – am Sonnabend vor Ostern erreicht (…) Es ist mir eine Ehre und eine Beglückung Ihnen hochverehrter Herr Reichsführer, und dem Ahnenerbe dienen zu dürfen und die Möglichkeit zu haben, Ihnen meine dankbare Verbundenheit durch solide dt Wissenschaftsarbeit im Dienste Ihres Forschungsinstituts beweisen zu können.” [348/..]
31-7-1939 Himmler an Kieckbusch: Falsch, Jacob-Friesen in weltanschauliche Arbeit der Partei einzubauen. „Er wird in den Dingen der Weltanschauung immer von der Kritik ausgehen, die er als sicherlich sehr guter Gelehrter an die Dinge anlegt.” [PA Jacob-F. Bl.356]
Briefe
25-2-1937 an Karl August Eckhardt
[NS 19/2241/scans 31 und 33 — Unterstreichung hinzugefügt]
den 25. Febr. 37
SS-Hauptsturmführer Prof.Dr. Eckhardt; Berlin Wannsee, Sandwerder 21
Lieber Eckhardt!
Besten Dank für Ihren Brief vom 8.2.1937. Ihre Arbeit hat mir sehr gut gefallen. Wenn Sie die Arbeit noch nicht im Druck haben, so schlage ich Ihnen vor, umgehend einige Anderungen vorzunehmen. Ich hielte die Sache sogar für so wertvoll, dass Sie den Druck noch anhalten müssten.
Bringen Sie mir bitte nicht den völlig irreführenden Namen “Seelenwanderung” hinein. Seelenwanderung hat es bei unseren Vorfahren nie geheißen sondern “Wiedergeburt in der Sippe, im eigenen Blut”. Es wurde deswegen als schlimm angesehen, wenn man keinen männlichen Erben und keinen Blutsträger hatte, der den Namen weitergab (Koting-Geschlecht über eine unverheiratete Tochter), weil man dann in einer fremden Sippe mit anderem Namen wieder geboren werden musste.
Über die Arbeit selbst möchte ich sehr gern mit Ihnen einmal mündlich sprechen. Sie ist ein ungeheuer wertvoller Beitrag und eine vollständige Bestätigung dessen, was durch mündliche Überlieferung über Jahrtausende berichtet worden ist, was die Wissenschaft allerdings bei allen derartigen Dingen nicht anerkannt hat.
Nun zum zweiten Teil Ihres Briefes. Ich bin, wie Sie sich vorstellen können, völlig anderer Meinung in Bezug auf die Ura-Linda-Chronik. Ich bin Ihnen für die Warnung sehr dankbar; ich weiss, sie kommt aus gutem Herzen. Ich sehe aber nicht ein, vor was gewarnt werden soll. Die gesamte deutsche Wissenschaft könnte ja doch eigentlich froh und dankbar sein, wenn ich wissenschaftlicher vorgehe, als die Wissenschaft selbst. Ich bin nämlich nicht so kühn, von vornherein zu unterstellen, die Ura-Linda-Chronik wäre echt, [2] wie die Wissenschaft kühn von vornherein unterstellt, die Ura-Linda-Chronik sei eine Fälschung. Meines Wissens ist weder Herr von Richthofen noch irgend sonst einer von den Herren, die die Ura-Linda-Chronik als grobe Fälschung ansehen, in der Lage, das zu überprüfen. Das kann nur der Sprachwissenschaftler, der eine, wie es bei allen derartigen Werken üblich war, notwendige Textkritik in einer wirklich genauen, von keiner Demagogie gestörten wohl vielleicht zwei Jahre langen Arbeit vornehmen kann.
Den Auftrag für die Textkritik habe ich an Prof. Mausser gegeben. Ich persönlich warte in Ruhe das Ergebnis ab und bin aus soundsovielen Dingen, die in der Ura-Linda-Chronik stehen, überzeugt, dass sie in ihrem Kern echt ist, weil sie sich mit zu vielen Dingen deckt, die ich aus mündlicher Überlieferung weiss.
Doch wozu heute eine Diskussion, wenn wir in zwei Jahren eine wissenschaftlich ruhige und exakte Stellung dazu nehmen können.
Herrn von Richthofen werde ich wohl zum letztenmal einen Brief in dieser Richtung schreiben lassen. Dann ist meine Geduld erschöpft. Denn als ich Prof. Mausser den Auftrag gegeben hatte, die Textkritik vorzunehmen, habe ich Herrn von Richthofen davon unterrichtet und ihn bitten lassen, nurmehr jede Diskussion über die Ura-Linda-Chronik gerade als Wissenschaftler einzustellen, um eine wirklich wissenschaftliche Klärung nicht zu stören. Ich habe heute den Eindruck, dass Herrn von Richthofen an einer wirklich exakten Klärung nichts gelegen ist, sondern dass er in einer wissenschaftlich unsachlichen Form eine persönliche Meinung vertritt.
In Beantwortung Ihres Briefes vom 14.2.1937 an SS-Gruppenführer Wolff bitte ich Sie, mir die Teile Ihres Manuskriptes, die Sie fertig haben, jeweils vor der Drucklegung vorzulegen.
Heil Hitler!
Ihr [wurde unterzeichnet HLH]
Noten
↑Dass Müller, Plassmann und Sievers mindestens seit 1932 Wirths Assistenten waren, stammt aus “Herman Wirth (1885-1981)” von O.S. Knottnerus (2020).
↑Dieses und die folgenden Bilder stammen aus Die Gestaltung der Feste im Jahres- und Lebenslauf in der SS-Familie, Fritz Weitzel (1935)
↑Datiert 5-8-1940, vom Architekten Hermann Bartels, Unterzeichnet von Himmler.
↑Kommentar focus.de: “Mit dem »Uralten« ist offenbar »Waralda« gemeint. So bezeichneten den Angaben zufolge Anhänger des pseudoreligiösen »schwarzen Ordens« der SS Gott – angeblich hätten germanische Vorfahren die göttliche Kraft ebenfalls als »Waralda« verehrt.”
↑Relevantes Zitat aus Wirths Übersetzung (S.48): “Die Priester sind die einzigen Herren: sie heißen sich selber Magjara. Ihrer aller Oberster heißt Magy; er ist Hauptpriester und König zugleich. All das andere Volk (...) ist gänzlich und gar in ihrer Gewalt.”