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F Wirth: Difference between revisions

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Teil I. Buch der Adela-Anhänger

F. Schriften Minnos

1. Gesetze und Richtlinien
Den Frieden bewahren
Seegesetze
Handel und Streit
Gesetze haben und durchsetzen
Ewa
2. Minerva
3. Kreta

Wirth 1933

[30] Aus Minnos Schriften

So wenn da ein Mann ist, dermaßen arg, daß er unsere Nachbarn beraubt, Mordtaten tut, Häuser brennt, Jungfrauen schändet, was es auch sei, das arg ist, und unsere Blutsgenossen wollen das gerächt haben, so ist es recht, daß man den Täter fasse und in ihrer Gegenwart töte, auf daß darüber kein Krieg komme, wodurch Unschuldige büßen würden für den Schuldigen. Wollen sie ihn den Leib behalten und die Rache abkaufen lassen, so mag man das gewähren. Doch ist der Mörder ein König, Grevetmann, Graf oder was es sei, der über die Sitten wachen soll, so müssen wir das Übel bessern, aber er muß seine Strafe haben. Führt er einen Ehrennamen auf seinem Schilde von seinen Ahnen, so dürfen seine Sippen diesen Namen nicht länger führen, darum daß die eine Sippe Sorge haben soll über die Gesittung der anderen.

Gesetze für Steurer

Steurer ist ein Ehrenname der Außenfahrer

1. Alle Fryassöhne haben gleiche Rechte, darum mögen alle flinken Knaben sich selbst als Außenfahrer melden bei dem Altmann, und dieser darf sie nicht abweisen, es wäre denn, daß keine Stelle da ist.

2. Die Steurer dürfen ihre eignen Meister ernennen.

3. Die Kaufleute müssen gekoren und benannt werden durch die Gemeinde, der das Gut gehört, und die Steurer dürfen dabei keine Stimme haben.

[31] 4. Falls man auf einer Reise befindet, daß der König arg oder unfähig ist, so dürfen sie einen anderen nehmen. Kommen sie wieder zurück, so mag der König sich bei dem Altmann beklagen.

5. Kommt die Flotte wieder heim und sind Gewinne da, so müssen die Steurer davon einen dritten Teil haben, folgendermaßen zu teilen: der Weißkönig zwölf Mannesteile, der Schult-bei-Nacht sieben Teile, die Bootsmänner jeder zwei Teile, die Schiffer jeder drei Teile, das andere Schiffsvolk einen Teil; die jüngsten Schiffsjungen jeder ein Drittel, die mittleren jeder einen Halbteil und die Ältesten jeder einen Zweidrittelteil.

6. Sind welche da gelähmt worden, dann muß die gemeine Gemeinde sorgen für ihren Leib; auch müssen sie vorne sitzen bei den allgemeinen Festen, bei häuslichen Festen, ja bei allen Festen.

7. Sind sie auf einem Zuge umgekommen, so müssen ihre Nächsten ihren Teil erben.

8. Sind davon Wittwen und Waisen gekommen, so muß die Gemeinde sie unterhalten; sind sie in einem Kampfe gefallen, so dürfen die Söhne den Namen ihrer Väter auf ihren Schilden führen.

9. Ist ein Jungsteurer dahingefahren, so müssen seine Erben einen ganzen Mannesteil haben.

10. War er versprochen, so darf seine Braut sieben Mannesteile heischen, um ihrem Friedel einen Stein zu weihen, aber dann muß sie für diese Ehre Witwe bleiben lebenslang.

11. So wenn eine Gemeinde eine Flotte ausrüstet, müssen die Reeder sorgen für beste Leibzehrung und für die Weiber und Rinder.

[32] 12. Wenn ein Steurer abgelebt und arm ist, und er hat weder Haus noch Hof, so muß ihm das gegeben werden. Will er kein Haus und Hof, so dürfen seine Freunde ihn ins Haus nehmen, und die Gemeinde muß das bessern nach seinem Staat, es wäre denn, daß seine Freunde diesen Vorteil weigern.

[/35] Nützliche Sachen aus den nachgelassenen Schriften Minnos

Minno war ein alter Seekönig, Seher und Weisgieriger. Den Kretensern hat er Gesetze gegeben. Er ist geboren an den Lindaorten, und nach all seinem Widerfahren hat er das Glück genossen, in Lindaheim zu sterben.

So wenn unsere Nachbarn ein Teil Land oder Wasser haben, das uns gut scheint, so fügt es sich für uns, daß wir es zu Kauf fragen; [36] wollen sie das nicht tun, dann muß man sie das behalten lassen. Das ist nicht Fryas Rat, und es würde Unrecht sein, es abzuhändigen.
[1.] So wenn Nachbarn zusammen keifen und streiten über andere Sachen als Land, und sie bitten uns, ein Urteil zu sprechen, so soll man das lieber unterbleiben lassen. Doch wenn man da nicht umhin kann, so soll man das ehrlich und rechtfertig tun.
[2.] Kommt da jemand und sagt: »Ich habe Krieg, nun müßt ihr mir Helfen«, oder ein anderer kommt und sagt: »Mein Sohn ist unjährig und unfähig, und ich bin alt; nun will ich dich zum Vormund über ihn und über mein Land stellen, bis er jährig sei«, – so hat man das zu verweigern, auf daß wir nicht in Zwist kommen mögen über Sachen, widerstreitend unseren freien Sitten.
[3.] So wenn da kommt ein ausländischer Kaufmann auf den zugelassenen Markt zu Wyringen oder zu Almanland und er betrügt, so wird ihm sofort Marktbuße auferlegt und er durch die Maiden über das ganze Land kennbar gemacht. Kommt er dann zurück, so soll niemand von ihm kaufen: er soll sich davonmachen, so wie er gekommen ist. Desgleichen, so wenn Kaufleute gekoren werden, um zu Markt zu gehen oder mit der Flotte zu fahren, so hat man allein solche zu kiesen, die man Zug um Zug kennt und die in einem guten Rufe stehen bei den Maiden. Geschieht es trotz alledem, daß ein arger Mann sich darunter befindet, der die Leute betrügen will, so haben die anderen dem zu wehren. Hat er es schon getan, so muß man das bessern und den Missetäter aus den Landen bannen, auf daß unser Name überall mit Ehren genannt werden soll.
Aber wenn wir uns auf einem ausländischen Markt befinden, sei es nah oder fern, und es geschieht, daß das Volk uns Leid tut oder bestiehlt, so haben wir mit hurtigem Sinne zuzuschlagen; denn, obschon wir alles tun um des Friedens willen, unsere Halbbrüder dürfen uns niemals gering achten noch wähnen, daß wir ängstlich sind.

In meiner Jugend habe ich wohl einmal gemurrt über die [37] Banden der Gesetze; nachher habe ich Frya oftmals gedankt für ihren Rat und unseren Ahnen für die Gesetze, die darnach geschaffen sind, Wralda ober der All-ernährer hat mir viele Jahre gegeben, über viele Lande und Seen bin ich umgefahren und nach allem, was ich gesehen habe, bin ich überzeugt, daß wir allein von dem Allernährer auserkoren sind, Gesetze zu haben. Lydas Volk vermag weder Gesetze zu machen noch zu halten: sie sind zu dumm und zu wild dazu. Viele Geschlechter Findas sind klug genug, aber sie sind gierig, hochfährtig, falsch, unkeusch und mordsüchtig. Poggen blähen sich selber auf, und sie können nichts als kriechen. Frösche rufen »werk, werk«, aber sie tun nichts als hüpfen und Possen reißen. Die Raben rufen »spar, spar«, aber sie stehlen und verschlingen alles, was unter ihren Schnabel kommt. Allen denen gleich ist das Findavolk: sie rühmen sich laut der guten Gesetze. Ein jeder will Satzungen machen, um dem Übel zu wehren, aber selber will niemand dadurch gebunden sein. Derjenige, dessen Geist der listigste ist und dadurch der stärkste, dessen Hahn kräht König, und die anderen müssen alleweg seiner Gewalt unterworfen sein, bis ein anderer kommt, der ihn von seinem Sessel vertreibt.

Das Wort »Ewa«[1] ist zu heilig, um eine gemeine Sache zu nennen. Darum hat man uns gelehrt, »evin« zu sagen. »Ewa« bedeutet »Setma« (Satzungen), die bei allen Menschen gleicherweise in ihrem Gemüt eingegraben sind, auf daß sie mögen wissen, was recht und unrecht ist, und wodurch sie Gewalt haben, ihre eigenen Taten und die anderer zu berechten, das will sagen, insofern sie gut und nicht missetätig sind.

Auch ist noch ein anderer Sinn damit verbunden. »Ewa« sagt auch Eegleich, wassergleich, recht und schlecht wie Wasser, das durch keinen Sturmwind oder etwas anderes verstört ist. Wird das Wasser verstört, so wird es »unewa«[2] (uneben), unrecht (ungrade), aber es neigt »ewig« dazu wieder »eben« zu werden. Das liegt an seiner Vonselbstigkeit, wie die Neigung zu Recht und Freiheit in allen Fryaskindern liegt. Diese Neigung haben wir [38] durch Wraldas Geist, unseres Vaters, der in Fryas Kindern laut spricht: Darum wird sie in uns auch ewig bekleiben.

»Ewa« (ewig) ist auch das andere Sinnbild des Geistes Wraldas, der ewig recht[3] und unverstört bleibt, obschon es in seinem Leib[4] arg zugeht. Ewig und unverstört sind die Merkmale der Weisheit und Gerechtigkeit, die von allen frommen Menschen gesucht und von allen Richtern besessen werden müssen. Wollen die Menschen also Gesetz- und Rechtssatzungen machen, die allein gut bleiben und alleweg, so müssen sie gleich sein für alle Menschen. Nach diesen Gesetzen gehört es den Richtern, ihr Urteil zu verkünden.

Ist da einiges Übel getan, derob keine Gesetze geschaffen sind, so muß man eine gemeine Acht[5] belegen. Da urteile man nach dem Sinne, den Wraldas Geist in uns kündet, um über alles gerecht zu berechten. Tun wir dermaßen, so wird unser Urteil nimmer fehlschlagen. Tut man nicht recht, aber unrecht, so erhebt sich Zwist und Zwiespalt unter den Menschen und Staaten; daraus sprießt inländischer Krieg, wodurch alles zerstört und verdorben wird.

Aber, o Dummheit, dieweil wir so tun und einander schaden, kommt das neidische Volk Findas mit seinen falschen Priestern, eure Habe zu rauben, eure Töchter zu schänden, eure Sitten zu verderben und zuletzt die Sklavenbande um jedwedens freien Hals zu schlingen.

[62] Aus Minnos Schriften

Als Nyhellenia, die mit ihrem eigenen Namen Min-erva hieß, sich richtig niedergelassen hatte und die Krekaländer sie beinah ebenso liebten als unser eigenes Volk, kamen da einige Fürsten und Priester auf ihre Burg und fragten Min-erva, wo ihr Erbe läge. Hellenia antwortete: »Mein Erbe[6] trage ich in meinem Busen. Was ich geerbt habe, ist Liebe zur Weisheit, Gerechtigkeit und Freiheit. Habe ich die verloren, so bin ich dem geringsten eurer Sklaven gleich. Nun gebe ich Rat ohne Entgelt, aber dann würde ich ihn verkaufen.« Die Herren gingen fort und riefen lachend: »Eure gehorsamen Diener, weise Hellenia.« Doch damit verfehlten sie ihr Ziel: denn das Volk, das sie lieb hatte und ihr folgte, nahm diesen Namen als einen Ehrennamen auf. Als sie sahen, daß ihr Schuß gefehlt hatte, da gingen sie hin, verleumdeten sie und sagten, daß sie das Volk behext hätte. Aber unser Volk und die guten Krekaländer zeugten alleweg, daß dies Laster wäre.

Einst kamen sie und fragten: »Wenn du keine Hexe bist, was tust du dann mit den Eiern, die du immer bei dir hast?« Minerva antwortete: »Diese Eier sind das Sinnbild der Ratgebungen Fryas, worin unsere Zukunft und die des ganzen Menschengeschlechts verhohlen liegt. Die Zeit muß sie ausbrüten, und wir müssen wachen, daß denen kein Leid widerfährt.« Die Priester erwiderten: »Gut gesagt. Aber wozu dient der Hund an deiner rechten Hand?« Hellenia antwortete: »Hat der Hirte keinen Schäferhund, um seine Herde zusammenzuhalten? Was der Hund ist im Dienst des Schafhirten, bin ich in Fryas Dienst. Ich muß [63] über Fryas herde wachen.« »Das deucht uns gut«, sagten die Priester, »aber sag uns, was ist die Bedeutung der Nachteule, die immer über deinem Haupte ist? Ist das lichtscheue Tier etwa das Zeichen deines Hellsehens?« »Nein«, antwortete Hellenia, »es hilft mir erinnern, daß da ein Schlag Menschen auf der Erde umhergeht, daß wie sie in Tempeln und Höhlen haust, dort im Dunkeln wühlt, doch nicht wie sie, um uns von Mäusen und anderen Plagen zu erlösen, doch um Ränke zu ersinnen, andere Menschen ihres Wissens zu berauben, damit sie sie besser fassen mögen, um sie zu Sklaven zu machen und ihr Blut auszusaugen, so wie es die Vampire tun.«

Einst kamen sie mit einer Bande Volks. Pest war über das Land gekommen. Sie sagten: »Wir alle sind im Begriffe, den Göttern zu opfern, damit sie die Pest abwehren mögen. Willst du denn nicht mithelfen, ihren Grimm zu stillen, oder hast du selber mit deinen Künsten die Pest über das Land gebracht? « »Nein«, sagte Minerva, »aber ich kenne keine Götter, die Arges tun: darum kann ich sie nicht bitten, ob sie besser werden wollen. Ich kenne nur einen Guten, das ist Wraldas Geist. Aber dadurch, daß er gut ist, tut er kein Übeles.« »Woher kommt dann das Übel?« fragten die Priester. »Alles Übel kommt von euch und von der Dummheit der Menschen, die sich von euch fangen lassen.« »Wenn deine Gottheit dann so besonders gut ist, warum wehrt sie dann dem Übel nicht?« fragten die Priester. Hellenia antwortete: »Frya hat uns auf den Weg gebracht, und der Kroder, das ist die Zeit, der muß das Übrige tun. Für alle Mißwende ist Rat und Hilfe zu finden. Doch Wralda will, daß wir diese selber suchen sollen, auf daß wir stark werden und weise. Wollen wir nicht, dann läßt er unsere Trollheit austrollen[7], auf daß wir erfahren sollen, was nach weisen Taten und was nach törichten Taten folget.«

Da sagte ein Fürst: »Ich würde wähnen, daß es besser wäre, diesen zu wehren. « »Wohl möglich«, antwortete hellenia, »dann würden die Menschen bleiben gleich den zahmen Schafen; du und die Priester würden sie hüten wollen, aber auch scheren und zur Schlachtbank führen. Doch also will es unsere Gottheit nicht. Sie will, daß wir einander helfen, aber sie will auch, daß jedweder frei sei und weise werde. Und das ist auch unser Wille. Und [64] darum kürt unser Volk seine Fürnehmsten, Grafen, Ratgeber und alle Herren und Meister aus den Weisesten der guten Menschen, auf daß allmählich sein Bestes tun solle, um weise und gut zu werden. Indem wir also tun, werden wir einmal wissen und das Volk lehren, daß weise sein und weise tun allein führt zur Seligkeit (Glück).« »Das scheint ein Urteil«, sagten die Priester, »aber wenn du meinst, daß Pest durch unsere Dummheit kommt, würde Nyhellenia dann wohl so gut sein wollen, uns etwas von dem neuen Licht zu verleihen, auf das sie so stolz ist?« »Ja«, sagte Hellenia, »die Raben und andere Vögel fallen auf faules Aas ein, aber die Pest liebt nicht allein faules Aas, sondern auch faulende Sitten und deren Bande. Willst du nun, daß die Pest von euch weichen und nicht wiederkommen soll, so mußt du dich von diesen Banden frei machen, auf daß ihr alle rein werdet von innen und von außen.« »Wir wollen glauben, daß dein Rat gut ist«, sagten die Priester, »aber sage uns, wie sollen wir alle Menschen, die unter unserer Gewalt sind, dazu bringen?« Da stand Hellenia auf von ihrem Sessel und sprach: »Die Spatzen folgen dem Säer, die Völker den guten Fürsten. Darum geziemet es euch, damit zu beginnen, euch selber also rein zu machen, daß ihr eure Blicke nach innen und außen richten möget, ohne Schamrot vor eurem eigenen Gemüt zu werden. Aber anstatt das Volk rein zu machen, habt ihr schmutzige Feste erfunden, auf denen das Volk also lange säuft, daß es zuletzt wie die Barchen in dem Schlamm wühlt, damit ihr euren schmutzigen Gelüsten fröhnen möget.«

Das Volk begann zu johlen und zu spotten. Dadurch wagten sie nicht, den Streit weiterzuspinnen. Nun sollte jeder wähnen, daß sie überall das Volk zu Hauf gerufen hätten, um uns allesamt aus dem Lande auszutreiben. Nein, anstatt sie zu beschuldigen, gingen sie alle weg, auch zu den nahen Krekalanden bis zu den Alpen, um zu künden, daß der oberste Gott geruht hätte, seine weise Tochter Minerva, zugenannt Nyhellenia, unter die Menschen zu senden, über das Meer mit einer Wolke, um den Menschen guten Rat zu geben und damit allmänniglich, der auf sie hören wolle, reich und glücklich und einst Herr über alle Königreiche der Erde werden solle. Ihr Bildwerk stellten sie auf ihre Altäre oder verkauften es den dummen Menschen; sie verkündeten [65] alleweg Ratschläge, welche sie nimmer erteilt hatte, und erzählten Wunder, die sie nimmer getan hatte. Durch List wußten sie sich unserer Gesetze und unserer Satzungen zu bemächtigen, und durch falsche Auslegungen wußten sie alles zu weisen und umzudeuten. Sie stellten auch Maiden unter ihre Hut, die scheinbar unter der Hut von Festa, unserer ersten Mutter waren, um über das heilige Licht zu wachen. Aber das Licht hatten sie selber entzündet, und anstatt die Maiden weise zu machen und nachdem unter das Volk zu senden, um die Siechen zu pflegen und die Kinder zu lehren, machten sie sie dumm und im Lichte dunkel, und sie durften niemals herauskommen. Auch wurden sie als Ratgeberinnen verwendet. Aber dieser Rat war nur zum Schein aus ihrem Munde: denn ihr Mund war nichts anderes als der Rufer, durch den die Priester ihre Begehrnisse kundmachten.

Als Nyhellenia verschieden war, wollten wir eine andere Mutter kiesen. Einige wollten nach Texland, um dort eine zu erbitten. Aber die Priester, die bei dem Volke die Gewalt wieder innehatten, wollten das nicht zugeben und machten uns bei dem Volke als unheilig kund.

[/67] Aus den Schriften Minnos

Als ich auf diese Weise mit meinen Leuten von Athenia weggefahren war, kamen wir schließlich an eine Insel, die von meinen Leuten Kreta geheißen wurde, wegen der wilden Schreie[8], die das Volk bei unserem Kommen anhub. Als sie aber sahen, daß wir keinen Krieg im Schilde führten, wurden sie zahm, also daß ich zuletzt für ein Boot mit Eisengerät einen Hafenmund und eine Landstätte eintauschen konnte. Doch als wir dort eine Weile ansässig waren und sie bemerkten, daß wir keine Sklaven hatten, da waren sie entsetzt. Aber als ich ihnen erzählt hatte, daß wir Gesetze hätten, um über alle gleich zu berechten, da wollte das Volk auch solche haben. Doch kaum hatten sie diese, so geriet das ganze Land in Verwirrung. Die Fürsten und Priester kamen und klagten, daß wir das Volk aufsässig gemacht hatten, und das Volk kam zu uns um Schutz und Schirm. Doch als die Fürsten sahen, daß sie ihr Reich verlieren würden, da gaben sie dem ‘Volke Freiheit und kamen zu mir wegen eines Asegabuches. Das Volk aber war der Freiheit nicht gewohnt, und die Herren blieben walten nach ihrem Gutdünken.

Als dieser Sturm vorüber war, begannen sie Zwiespalt zwischen uns zu sähen. Sie sagten zu meinem Volke, daß ich ihre Hilfe angerufen hätte, um beständig König zu werden. Einmal fand ich Gift in meiner Speise. Als nun ein Schiff aus Flyland sich zu uns versegelt hatte, bin ich damit im Stillen fortgezogen.

Indem ich mein eigenes Widerfahren jedoch hier lasse, will ich mit dieser Geschichte allein sagen, daß wir uns nicht mit dem Finda-Volk zusammentun müssen, wannen es auch sei, weil sie voller falscher Ränke sind, gleicherweise zu fürchten als ihre süßen Weine mit tötendem Gifte.

[Teil übersprungen]

Fußnoten

  1. Gesetz.
  2. Wortspiel zwischen ivin, iven, even, evene, evna, efna, westfriesisch ewa, ewen = »eben« und ā, ē, ewe, ewa = »Gesetz« und ā, ē = »Wasser« aus Altsächsisch, Althochdeutsch aha, angelsächsisch ēa usw.
  3. recht = »gerade«
  4. Die Welt.
  5. Volks- oder Gerichtsversammlung, vgl. Fußnote Seite 20.
  6. »mina erva«, die Mehrzahl, steht in der Handschrift, also »meine Erben, Erbgüter«. Friesische Humanistenetymologie.
  7. Unsere Torheit ausrasen.
  8. Eine Probe der humanistischen Etymologien von Codex C: Wortspiel zwischen Krêta, Namen der Insel, und den »krêta« = Schreie, mnl. crete, nnl. kreet.

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