DE091.11 Verrat
R. Apollania
2. Schriften Brunnos
Verrat
Wirth 1933
[82] Dies sind die nachgelassenen Schriften Brunnos, der Schreiber gewesen ist auf dieser Burg
Nachdem die Folger Adelas alles hatten abschreiben lassen, ein jeder in seinem Reiche, was auf den Wänden der Burg geschrieben war, beschlossen sie, eine Mutter zu kiesen. Dazu war eine gemeine Acht belegt auf diesem Hiem[1]. Nach dem Rate Adelas wurde Tüntja empfohlen. Sie würde auch Erfolg gehabt haben. Doch da erbat meine Burgmaid das Wort. Sie hatte immer gewähnt, daß sie Mutter werden sollte, aus dem Grunde, daß sie hier auf der Burg saß, von der meist alle Mütter gekoren waren. Als ihr das Wort vergönnt wurde, öffnete sie ihre falschen Lippen und sprach: »Ihr alle scheint Adelas Rat großen Wert beizumessen. Das wird darum meinen Mund nicht schließen noch schnüren. Wer ist doch Adela, und woher kommt es, daß ihr ihr solch hohes Lob spendet? Gleich mir heutzutage, ist sie zuvor hier Burgmaid gewesen. Doch ist sie darum weiser und besser als ich und alle anderen? Oder hält sie mehr auf unsere Sitten und Bräuche? Wäre dies der Fall, so würde sie wohl Mutter geworden sein, als sie dazu gekoren war. Aber nein, sie wollte lieber eine Ehe haben mit aller Wonne und Lust, die damit verbunben ist, anstatt einsam über sich und das Volk zu wachen. Sie ist klarsehend. Gut! Aber meine Augen sind weit davon entfernt, verdunkelt zu sein. Ich habe gesehen, daß sie ihren Friedel sehr minnte. Nun gut, das ist löblich. Aber ich habe fürder gesehen, daß Tüntja die Nichte Apols ist. Weiter will ich nichts sagen.«
[83] Die Fürnehmsten begriffen sehr wohl, wo sie Luv suchte[2]. Aber unter das Volk kam Zwiespalt, und sintemal die Mehrheit von hier kam, wollte sie Tüntja die Ehre nicht gönnen. Reden wurden geendet, die Messer aus der Scheide gezogen, aber da ward keine Mutter gekoren. Kurz darnach hatte einer unserer Boten seinen Gefährten gefällt. Bis heutzutag war er tüchtig gewesen, darum hat meine Burgmaid Urlaub, ihm aus den Landpfählen zu helfen. Doch anstatt ihm zu helfen, nach dem Twiskland zu entkommen, floh sie selber mit ihm über die Weser und fürder zu dem Magy. Der Magy, der seinen Fryassöhnen gefallen wollte, bestellte sie als Mutter auf Godaburg und Schonland. Aber sie wollte mehr. Sie sagte ihm, daß, so er Adela beiseiteschaffen könnte, er Herr werden sollte über das ganze Fryasland. Sie wäre eine Feindin Adelas, sagte sie, denn durch ihre Ränke wäre sie keine Mutter geworden. So wenn er ihr Texland zusprechen wollte, würde ihr Bote seinen Kriegern als Wegweiser dienen. Alle diese Sachen hat ihr Bote selber gestanden.
Fußnoten
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