DE205.01 Askar
Z. Zeitalter Askar
Askar und die Dänen
Wirth 1933
[/125] Sobald Askar von den Boten Reintjas vernommen hatte, wie die Jutten gesonnen waren, sandte er zur Stund Boten von sich an den König von Hals. Das Schiff, mit dem die Boten gingen, war vollgeladen mit Frauenschmuck; dabei war ein goldener Schild, auf dem Askars Gestalt kunstvoll abgebildet war. Diese Boten sollten fragen, ob Askar des Königs Tochter Frethogunsta zu seinem Weibe haben durfte. Frethogunsta kam ein Jahr später nach Staveren: in ihrem Gefolge war auch ein Magy (Magier), denn die Jutten waren schon längst verdorben. Kurz nachdem Askar mit Frethogunsta getraut war, ward in Staveren ein Tempel gebaut; in der »Kirche« wurden üble ungestaltete Bildwerke aufgestellt, mit golddurchwirkten Kleidern. Auch wird behauptet, daß Askar zur Nacht und Unzeit mit Frethogunsta sich davor niederbeugte. Aber so viel ist gewiß: die Burg Stavia ward nicht wieder aufgebaut.
Reintje war schon zurückgekommen und ging erbost zur Mutter auf Texland, sich zu beklagen. Prontlik ging hin und sandte allewege Boten, die verkündeten: Askar ist der Abgötterei ergeben. Askar tat, als bemerkte er nichts. Aber unerwartet kam eine Flotte aus Hals. Nachts wurden die Maiden aus der Burg vertrieben, und morgens konnte man von der Burg allein einen glühenden Haufen sehen. Prontlik und Reintja kamen zu mir, um einen Unterschlupf. Als ich später darüber nachdachte, schien es mir, daß dies Übles für meinen Staat bedeuten könnte. Darum haben wir zusammen eine List ersonnen, die uns allen frommen sollte. Sieh hier, wie wir es begonnen haben.
Inmitten des Krylwaldes, östlich von Ljudwerd, liegt unsere Flucht- oder Wehrburg, der man sich allein durch Irrwege nähern kann. Auf diese Burg hatte ich seit längerer Zeit junge Wächter gelegt, die alle einen Widerwillen gegen Askar hatten und alle anderen Menschen fernhielten. Nun war es bei uns so weit gekommen, daß viele Weiber und auch Männer schon schwatzten von Spuk, weißen Weibern und Kobolden, wie die Dänemärker. Askar [126] hatte alle diese Torheiten zu seinem Nutzen ausgebeutet, und das wollten wir auch zu unserem Nutzen tun. In einer dunklen Nacht brachte ich die Maiden zur Burg, und darauf gingen sie und spukten mit ihren Jungfrauen über die Irrwege, in weißen Gewändern gehüllt, so daß sich später kein Mensch mehr zu kommen getraute. Als Askar meinte, daß er freie Hand hatte, ließ er die Magjaren (Magier) unter allerhand Namen durch seine Staaten fahren, und außer Greninga (Groningen) und meinem Staat wurde ihnen nirgends gewehrt.
Nachdem Askar also mit den Jutten und den anderen Dänemärkern verbündet war, zogen sie zusammen auf Raub aus: das hat aber keine guten Früchte gezeitigt. Sie brachten allerhand fremdländische Schätze mit nach Hause. Aber gerade dadurch wollte das junge Volk kein Handwerk mehr lernen noch auf den Feldern arbeiten, so daß er zuletzt wohl Sklaven nehmen mußte. Aber dies war ganz wider Wraldas Willen und wider Fryas Rat: darum konnte die Strafe nicht ausbleiben.
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