Alfred E. Rosenberg

Alfred Ernst Rosenberg (1893-1946) war Führer der Kampfbund für deutsche Kultur, Hauptschriftleiter des Völkischen Beobachters[1] und Ideologe der NSDAP. Er war der Autor des 1930 erschienenen Buches “Der Mythus des 20. Jahrhunderts. Eine Wertung der seelisch-geistigen Gestaltenkämpfe unserer Zeit”, das bis 1942 in 194 Ausgaben veröffentlicht wurde.
Briefe hinsichtlich ULC in Rosenbergs Korrespondenz
13-4-1934 Haupt REM[2] an Rosenberg, [NS 8/122] Bl.98, Scan 101.
Frankfurt a.Oder, den 13. April 1934.
An den Leiter des Aussenpolitischen Amtes, Herrn Alfred Rosenenberg, Berlin; Wilhelmstrasse 70a.
Sehr geehrter Herr Pg. Rosenberg!
Entschuldigen Sie bitte meine verspätete Antwort; ich habe erst gestern Ihren Brief vom 28.3. hierher nachgeschickt bekommen. Sowie ich orientiert bin hat Herr Professor Neckel die Absicht, im Zentral-Institut für Erziehung und Unterricht vor einer Reihe geladener Gäste die Forschung von Professor Wirth anzugreifen, und zu widerlegen. Da bereits vor einigen Wochen eine ähnliche Veranstaltung, mit geladenen Studenten usw. hinter verschlossenen Türen stattgefunden hat antwortete ich dem Leiter des Zentralinstitutes auf seine Anfrage, es Scheine mir angebracht, den eigentlichen Gegenstand der Verhandlung, Herrn Professor Wirth selbst, einzuladen und die Veranstaltung nicht wie bisher hinter verschlossenen Türen stattfinden zu lassen. Von einer Beteiligung oder Nichtbeteiligung von Herrn Dr. Steche oder Herrn Professor von Richthofen ist mir nichts bekannt. Grundsätzlich trete ich weder für die Person von Professor Wirth noch für die Richtigkeit bezw. den Wert seiner Forschungsergebnisse voll ein. Ich halte aber seine Methode, das heisst seinen Schritt von der Spaten-Wissenschaft zur Geistes-Wissenschaft, von Tatsachen-sammeln zum, wenn auch subjektiven Deutungswillen für wertvoll. Ich wäre gern bereit, Ihnen über meine bisherige Stellungnahme zu den Fall, wenn Sie es wünschen, mündlich Bericht zu erstatten. Unrichtig wäre es wohl, wenn man zulassen würde, das naeh schlechter akademischer Gewohnheit eine Klicke von Zunftgelehrten jeden Aussenseiter planmässig mit der Windbüchse des Stillschweigens abschiesst.
Zuletzt darf ich persönlich bemerken, dass ich nicht Ministerial-Direktor sondern nur Ministerialrat und lediglich mit der vertretungsweisen Leitung der Hochschulabteilung beauftragt bin.
Mit Hitler Heil! / Ergebenst [gez. Haupt]
5-5-1934 Elisabeth Waldmann an Verlag Koehler + Amelang, [NS 8/153] Bl.129, Scans 133-134.
5. Mai 1934
N.24, Oranienburger Str. 79; Dr.W/Ri
Verlag Koehler & Amelang, Leipzig C 1, Täubchenweg 19.
Sehr geehrte Herren!
Im Interesse Ihres Verlages bitten wir Sie, durch die ausserordentlich interessante Aussprache über den Fall Hermann Wirth in der Berliner Universität angeregt, uns doch mitzuteilen, ob Ihr Verlag die Absicht hat, für die Uralinda-Chronik eine verstärkte Propaganda zu machen und an eine Neuauflage denkt. Bei der grossen wirtschaftlichen Belastung des deutschen Buchmarktes halten wir es für unsere Pflicht, Ihnen mitzuteilen, dass wir uns für eine Förderung der Uralinda-Chronik und für eine Empfehlung dieses Werkes an die gesamte nationalsozialistische Bewegung leider nicht einsetzen können. Wir müssen Ihnen sogar mitteilen, dass das Reichsüberwachungsamt, welches dem gleichzeitigen Führer der Reichsstelle, Reichsleiter Alfred Rosenberg, unterstellt ist, eine Ablehnung des Buches, das nur fälschlich für ein echtes Quellenwerk gehalten wird, wie in der gestrigen Aussprache mit Hermann Wirth Herr Professor Hübner der Berliner Universität diesen wiederum zwingend nachwies, für die gesamte nationalsozialistische Bewegung verbindlich machen wird.
Wir haben ausserdem in Erfahrung gebracht, dass von Herrn Professor Wirth, in Verbindung mit dem Indologen Prof. Walter Wüst, München, und mit Unterstützung weiterer Fachgelehrter, eine Zeitschrift geplant wird, die in Ihrem Verlag herauskommen soll. Wir machen Sie auch wiederum im Interesse [S.2] Ihres Verlages darauf aufmerksam, dass die Herausgabe neuer Zeitschriften von seiten des Reichsministeriums für Volksaufklärung und Propaganda unerwünscht ist und wir auch hier unsere Förderung ablehnen müssten.
Heil Hitler!
8-5-1934 Elisabeth Waldmann an Rosenberg, [NS 8/153] Bl.127-128, Scans 131-132 — Unterstreichung hinzugefügt
Reichsstelle zur Förderung des deutschen Schrifttums
Berlin, den 8. Mai 1934
Herrn Reichsleiter Alfred Rosenberg; “Völkischen Beobachter”; Berlin SW 68, Zimmerstr. 88.
Sehr verehrter Herr Rosenberg!
Die Mitglieder der Reichsstelle waren neulich in der grossen Hermann-Wirth-Aussprache in der neuen Aula der Berliner Universität. Sie werden die Einzelheiten über die höchst interessante Aussprache inzwischen aus dem Bericht in der Sonntagsnummer des “Völkischen Beobachters” gefunden haben. Die Reichsstelle hat sich nun sofort in den Kampf gegen diese höchst gefährliche Uralinda-Chronik-Anselegenheit gestellt und dem Verlag anliegenden Brief geschrieben, von dem wir Sie herzlichst bitten Kenntnis zu nehmen und es uns nicht zu verübeln, dass wir in Ihren Namen eine Warnung aussprachen, damit der Verlag nicht in allzugrosser Geschäftstüchtigkeit für die Uralinda-Chronik Hermann Wirth’s eine derartige Propaganda macht, dass man in 5 Jahren allerorts annimnt, dass ein, mit den Gedanken des Aufklärungs zeitalters durchtränktes Werk ein echtes Quellenbuch sei. Wir haben Herrn Professor Hübner, der vorzüglich sprach und unter ausserordentlichen Beifall schlagende Gegenbeweise gab, um ein grösseres Gutachten gebeten, das wir Ihnen, sobald wir es haben, zur Verfügung stellen werden mit der Bitte, von sich aus euch in dieser Angelegenheit bremsend einzugreifen.
[S.2] Wir erwogen Herrn Hübner gegenüber den Plan, ob nicht vielleicht, gestützt auf ein wissenschaftlich urd weltanschaulich einwandfreies Gutachten, von uns aus an Herrn Prof. Wirth herangetreten werden könnte mit dem Ersuchen, gewisse Widerrufungen und Einschränkungen seiner Behauptungen über die Quellen-Echtheit der Uralinda-Chronik abzugeben, da sonst ein amtliches Zurückziehen dieses Buches, bis eine solche Klarstellung durch ihn erfolgt sei, im Sinne der nationalsozialistischen Weltanschauung und Wissenschaft, nicht zu umgehen wäre.
Herr Dr. Steche, der am “Völkischen Beobachter” schon seit längeren darauf aufmerksam gemacht hat, dass die Ansichten Herrn Wirths sich nicht mit der nationalsozialistischen Wissenschaft und dem Nationalsozialismus überhaupt decken liessen, hat jetzt nochnmals besonders darauf hingewiesen, dass es nicht durch eine übertriebene Wirth-Propaganda dazu kommen dürfe, dass die nationalsozialistische Wissenschaft in Misskredit kommt und ernsthafte deutsche Forscher vor den Kopf gestossen werden.
Die deutsche Wissenschaft muss auf Grund der schlasenden Ausführungen Professer Hübner’s die Uralinda-Chronik-Angelegenheit nunmehr als erledigt betrachten und das Werk für eine interessante Fälschung.
Heil Hitler!
Reichsstelle zur Förderung des deutschen Schrifttums [gez. Dr. Elisabeth Waldmann]
1 Anlage!
Liste weiterer relevanter Dokumente
(Die Beschreibungen stammen größtenteils von Simon 2005.)
- 24-9-1934 Dietz, Carl an Panzer, Friedrich: „… der eine Artikel über die ‚Ura-Linda’-Chronik verfiel dem Zensurverbot, das Herr Rosenberg erlassen hat, wonach von Mitte Juni an nichts über Herrn Wirth geschrieben werden darf …” / UB Heidelberg Heid Ms 3824 G 2.97 Nr. 19
- 25-5-1936 Maußer an Sievers: Maußer arbeitet mit Albert Hermann zusammen. Verbot Himmlers + Rosenbergs öff. Disk. über Ura-Linda-Chr. Maußers Schwager Studienprof. Wurmsee war Lehrer Himmlers / NS 21/563 (Scans 183-184) + 348
- 10-12-1936 AV. Karl Th. Weigel: Gelungen, Jacob-Friesen als Landeskonservator auszuschalten, gemeinsam mit Amt Rosenberg. Weltanschaulich unzuverlässig. Unterlagen beim SD. Langsdorff dagegen: ausgezeichneter Wissenschaftler. Wider besseres Wissen. J-F habe sich Namen Friesen unbefugt zugelegt. J-F lasse in seinem Museum Dinge verschwinden, die nicht in seine Richtung passen. / BDC PA. Jacob-Friesen Bl.342
- 10-12-1937 Maußer an Harmjanz: Brief Maußer an Harmjanz 7.12.37 vertraulich an Dekan! Anbei Erlaß Rosenberg (00). M. werde sich „mit allen mir zu Verfügung stehenden Mitteln gegen eine Diffamierung meiner Person wenden (…), zumal es ja auch nicht unbekannt ist, dass dt. Gelehrte in Acht und Bann getan werden, weil sie beispielsweise sich mit gefälschten Papsturkunden beschäftigen.” / NS 21/563