DE151.31 Vatersöhne
U. Konrad
2. Über Friso
Aufstieg der Vatersöhne
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[/110] Die Burgmaiden und alten Maiden, die noch von ihrer ehemaligen Größe wußten, neigten nicht dem Treiben Frisos zu: darum redeten sie von ihm nichts Gutes. Aber Friso, schlauer als sie, ließ sie schwatzen. Doch die jungen Maiden verleitete er mit goldenen Fingern zu seiner Sache. Sie sagten allum: »Wir haben länger keine Mutter mehr, aber das kommt, weil wir jährig sind. Heute geziemt uns ein König, damit wir unsere Lande wiedergewinnen, welche die Mütter verloren haben durch ihre Unsorgsamkeit.« Weiter kündeten sie: »Jedwedem Fryaskind ist Freiheit gegeben seine Stimme hören zu lassen, bevor zur Küre eines Fürsten geschritten wird. Aber wenn es dazu kommen möchte, daß ihr wieder einen König kiest, so will ich euch auch meine Meinung sagen. Nach allem, was ich schauen kann, ist Friso derjenige, der von Wralda erkoren ist: denn er hat ihn wunderlich hiergeführt. Friso kennt die Ränke der Golen, deren Sprache er spricht; er kann also wider ihre Listen wachen. Dann ist aber noch etwas zu erwägen: welchen Grafen sollte man zum König kiesen, ohne daß die anderen darob neidisch wären?« Derartige Redensarten wurden durch die jungen Maiden verbreitet; aber die alten Maiden, obgleich wenig an der Zahl, zapften ihre Reden aus einem anderen Fasse. Sie kündeten alleweg und jedwedem: »Friso«, so sagten sie, »macht es wie die Spinnen: des Nachts spannt er Netze nach allen Seiten und am Tage überrascht er seine nichts Arges wähnenden Freunde. Friso sagt, daß er keine Priester noch fremde Fürsten mag. Aber ich sage, er mag niemanden außer sich selbst. Darum will er nicht gewähren, daß die Burg Stavia wieder aufgerichtet wird. Darum will er keine Mutter wieder haben. Heute ist Friso euer Ratgeber, aber morgen will er euer König werden, damit er euch alle richten mag.«
In dem Innern des Volkes entstanden nun zwei Parteien. Die Alten und Armen wollten wieder eine Mutter haben, aber das Jungvolk, das voller Kampfeslust war, wollte einen Vater oder König haben. Die ersten nannten sich selber »Muttersöhne«, und die anderen nannten sich selber »Vatersöhne«. Aber die Muttersöhne wurden nicht beachtet. Denn dadurch, daß viele Schiffe [111]gemacht wurden, war hier Überfluß für die Schiffmacher, Schmiede, Segelmacher, Seildreher und für alle anderen Handwerksleute. Zudem brachten die Seekämpen allerhand Schmucksachen mit. Daran hatten die Weiber Vergnügen, die Maiden Vergnügen, die Mädchen Vergnügen, daran hatten alle ihre Magen und alle ihre Freunde Vergnügen.
Als Friso um die vierzig Jahre in Staveren gewirtschaftet hatte, starb er[1]. Durch seine Bemühungen hatte er viele Staaten wieder zueinander gebracht. Aber ob wir dadurch besser wurden, wage ich nicht zu bestätigen. Von allen Grafen, die vor ihm waren, ist niemand so bekannt gewesen wie Friso. Doch, wie ich vorher sagte, die jungen Maiden kündeten sein Lob, während die alten Maiden alles taten, um ihn zu ächten und verhaßt zu machen bei allen Menschen. Nun vermochten die alten Maiden ihn damit zwar nicht in seinen Bemühungen zu stören, aber sie haben mit ihrem Gebaren doch so viel ausgerichtet, daß er gestorben ist, ohne daß er König ward.
Fußnoten
- ↑ 263 v. Chr.
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