DE115.10 Springflut
S. Frethorik
1. Die zweite arge Zeit
Sturmwind und Springflut
Wirth 1933
[/92] Der Magy brüstete sich mit seiner Schlauheit. Aber Irtha sollte ihm zeigen, daß sie keinen Magy noch Götzen zulassen mochte zu ihrem heiligen Schoß, aus dem sie Frya gebar. Gleich dem wilden Rosse, das seine Mähne schüttelt, nachdem es seinen Reiter grasfällig gemacht hat, so schüttelte Irtha ihre Wälder und Berge. Flüsse ergossen sich über die Felder. Die See kochte. Die Berge spien Feuer nach den Wolken, und was sie gespien hatten, schmetterten die Wolken wieder auf die Erde.
Am Anfange des Arnemonates[1] neigte sich die Erde nordwärts; sie sank nieder, immer tiefer und tiefer. In dem Wolfenmonat[2] lagen die niederen Marken (Dänemarken) von Fryas Land in der See versunken. Die Wälder, in denen Bildwerke waren, wurden emporgehoben von der Winde Spiel. Das Jahr darauf kam Frost in dem Herdemonat[3] und bedeckte Alt-Fryas Land gänzlich mit einem Eisbrett. Im Sellamonat[4] kam Sturmwind aus dem Norden her und führte Berge von Eis und Steinen mit sich. Als die Springflut kam, hob Irtha sich selber hoch. Das Eis schmolz dahin. Ebbe kam und die Wälder mit den Bildwerken trieben zur See. In dem Winneoder Minnemonat[5] fuhr ein jeder, der es wagte, wieder heim.
Ich kam mit einer Maid auf die Burg Ljudgarda. Wie traurig sah es da aus. Die Wälder der Linda-Orte waren größtenteils fort. Da, wo der Ljudgarten gewesen war, war See. Seine Wellen peitschten den Ringdeich. Eis hatte den Turm zerstört, und die Häuser lagen durcheinander. An dem Abhang des Deiches fand ich einen Stein: unser Schreiber hatte seinen Namen eingeritzt. Das war mir eine Bake[6].
So wie es unserer Burg ergangen war, so war es auch den anderen ergangen. In den hohen Landen waren sie durch die Erde, in den niederen Landen durch das Wasser zerstört. Nur Fryasburg auf Texland ward unverletzt gefunden. Aber alles [93] Land, das nordwärts gelegen war, lag unter See. Noch ist es nicht wieder emporgehoben. An dieser Seite der Flysee hatten sich, wie berichtet wurde, dreißig salzige Seen gebildet, entstanden durch die Wälder, die mit Boden und allem weggetrieben waren. In West-Flyland fünfzig. Die Gracht, die vor dem Alderga quer durch das Land lief, war versandet und zerstört. Die Seeleute und anderes fahrendes Volk, die daheim waren, hatten sich selber mit Wagen und Sippen auf die Schiffe gerettet. Aber das schwarze Volk von Lydasburg und Alkmarum hatte desgleichen getan. Derweilen die Schwarzen südwärts trieben, hatten sie viele Mädchen gerettet, und da niemand kam, sie zurückzufordern, behielten sie sie als ihre Frauen. Die Menschen, die zurückkamen, ließen sich alle innerhalb der Ringdeiche der Burgen nieder, weil außerhalb alles Schlamm und Bruch war. Die alten Häuser waren zusammengerüttelt. Aus den Oberlanden kaufte man Kühe und Schafe, und in den großen Häusern, da zuvoren die Maiden untergebracht waren, wurde nur Tuch und Filz gemacht, um des Lebens willen. Dies geschah eintausendachthundertundachtundachtzig Jahre, nachdem Atland versunken war[7].
Fußnoten
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